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Trouble
(= Scherereien, Probleme, Schwierigkeiten, Verdruss, Mühsal)
In einem schönen Sonnentag ging eine Frau einst von ihrem Dorf in ein anderes
Dorf.
Sie war auf dem Weg zum Markt und trug auf dem Kopf einen Topf mit Honig, um
ihn auf dem Markt zu verkaufen. Die Schmetterlinge flogen, die Vögel sangen,
die Blumen dufteten. Und so schaute die Frau mehr nach oben als nach unten
und sah nicht ... den Stein, der da mitten auf dem Weg lag.
Sie stolperte, fiel hin, der Honigtopf fiel auf den Boden und zerbrach. Da
schaute die Frau zum Himmel auf und rief:
“Oh Gottheit, warum schickst du mir immer Trouble?”
Darauf ging sie zurück in ihr eigenes Dorf.
Nun war das Ganze aber unter einem Baum geschehen.
Auf dem Baum saß ein Affe.
Der Affe hatte alles gesehen und gehört und dachte sich:
“Ich frage mich, was Trouble ist?”
Er kletterte vom Baum hinunter und tauchte einen Finger in den Honig.
“Mhm!” Er tauchte zwei Finger ein und drei und eine ganze Hand.
“Mhhhhhmmmmm! Trouble ist süß. Mhm, Trouble ist gut. Mhhmm. Trouble ist das
beste, was ich je gekostet habe”, und er aß so viel Trouble, wie er kriegen
konnte, bevor die Ameisen den Rest des Troubles forttrugen.
Dann ging der Affe ins nächste Dorf.
Dort klopfte er an jede Tür und fragte:
“Kannst du mir etwas Trouble geben? Kannst du mir etwas Trouble geben?”
Aber alle jagten ihn mit Fußtritten fort.
Die Menschen - und das weiß ich auch aus Erfahrung - die Menschen sind gar
geizig mit ihrem Trouble und wollen ihn mit keinem teilen.
Aber der Affe war klug. Er ging zurück zu seinem Baum und überlegte:
“Die Frau hat ja gesagt - oh Gottheit, warum schickst du mir immer Trouble?
Also muss es die Gottheit sein, die Trouble in der Welt verteilt.”
Da ging der Affe zum Haus der Gottheit.
Im Westen Afrikas hat die Gottheit ein schönes Haus, einen großen Garten und
viele gute Möbel. Und jeder weiß auch, wo er wohnt.
Der Affe klopfte. Die Gottheit selbst kam an die Tür.
“Was willst du?”, fragte sie.
“Kannst du mir etwas Trouble geben?”, bat der Affe.
“WAS willst du?”
“Etwas Trouble ganz für mich allein, etwas Trouble, den ich mit keinem
teilen muss”, sagte der Affe.
“Nun”, dachte die Gottheit, “ich bin dafür zuständig, den Trouble in der
Welt zu verteilen.” Und er ging und holte einen großen Sack, oben
zugebunden.
“Den Sack darfst du nur dort öffnen, wo es nichts als Gelb und Blau gibt!”,
befahl die Gottheit.
“Nichts als Gelb und Blau”, der Affe überlegte ...
“Am Meer!”, rief er schließlich aus, “am Meer gibt es nur gelben Sand und
blauen Himmel.”
“Nein”, sagte die Gottheit,”“am Meer gibt es gelben Sand, blauen Himmel und
das grüne Meer.”
“Hmm - Gelb und Blau - Ah! In der Wüste!”
“Ja”, meinte die Gottheit, “in der Wüste gibt es nur gelben Sand und blauen
Himmel, sonst nichts.”
Da schleppte der Affe den Sack mitten in die Wüste.
Dort öffnete er ihn, und heraus sprangen drei gierige Bluthunde, die
begannen,
den Affen zu jagen. Es gab nichts - keinen Baum, keinen Strauch, keinen
Fluss, keinen See, nichts, wo er sich hätte verstecken können. Die Bluthunde
jagten ihn, der erste hatte ihn schon an der Schulter erwischt, da wuchs
plötzlich ein Baum vor ihm in die Höhe. Der Affe - wie der Blitz hinauf.
Nun - Katzen wissen es, wir wissen es, und nun wissen es auch die Affen:
Hunde können nicht klettern.
Der Affe saß oben, und sein Herz klopfte zum Zerspringen.
Unten bellten die Hunde.
Nun hatte die Gottheit aber nicht nur die Bluthunde geschickt, sondern auch
den Baum, denn die Gottheit schickt niemandem mehr Trouble, als er ertragen
kann.
Als die Hunde sich getrollt hatten, stieg der Affe vom Baum herunter und
dachte bei sich:
“Ich habe für mein Leben genug Trouble gesehen, gehört und gekostet.”
Denn der Trouble anderer Leute ist immer süßer als der eigene.
Karibische Geschichte, ausgewählt und neu erzählt von Frau Wolle
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