Wie die Madonna Garn kaufte - Legende

Wie die Madonna Garn kaufte

Land: Schweiz
Region: Lago Maggiore
Kategorie: Legende

Eine arme Frau hatte einen dummen Sohn, genannt Giovanni. Einmal wollte sie Garn verkaufen und gedachte ihren Sohn damit zu schicken. Aber sie riet ihm, er solle es nicht an solche Frauen verkaufen, die zu viel redeten.

Und er ging und ging und Giovanni kam an einen Teich. Die Kröten, die darin waren, machten: „Lak, lak, lak!" und Giovanni rief ihnen zu: „Das ist kein Laken. Es ist Garn, Garn, Garn!"

Und er ging und ging und fand drei Frauen, die ihn fragten, ob er sein Garn verkaufen wolle, das er im Tragkorb habe. „Nein, nein, ich will es nicht an euch verkaufen, weil ihr zu viel schwatzt", antwortete Giovanni.

Und er ging und ging und lief und lief und kam an ein Kapellchen, wo ein schönes Madönnchen auf dem Altar stand, das ihn lächelnd und schweigend anblickte. Giovanni fragte sie: „Wollt Ihr mein Garn kaufen?"

„Ja", schien mit ihrem Lächeln die Madonna zu sagen, aber sie sprach nicht.

„Wieviel gebt Ihr mir, gute Frau?"

Das Madönnchen lächelte, ohne zu sprechen

„Gebt Ihr mir drei Soldi?" Und sie antwortete nicht.

„Gebt Ihr mir sechs Soldi?" Und sie antwortete nicht.

„Gebt Ihr mir zehn Soldi?" Und sie antwortete nicht, aber sie lächelte.

„Wer schweigt, willigt ein, also gebe ich Euch das Garn für zehn Soldi." Und er legte ihr das Garn zu Füssen.

„Schönes Frauchen, gebt mir die Soldi!" Und das Madönnchen lächelte, ohne zu antworten.

„Mein Frauchen, gebt mir jetzt die Soldi!" Und immer lächelte die Madonna.

„Bezahlt mir das Garn!" Und das schöne Madönnchen lächelte, ohne zu antworten.

Giovanni verlor die Geduld und stiess die Madonna an, die vom Altar herunterfiel. Da klirrte es von Geld und um ihn her regnete es Soldi. Die kamen aus dem Opferkästchen zu Füssen der Madonna. Giovanni zählte seine zehn Soldi ab und ganz zufrieden ging er fort und brachte sie seiner Mutter.

Quelle: L. Clerici, Helene Christaller (Übers.), Märchen vom Lago Maggiore.

Nach mündlicher Überlieferung gesammelt von Luigi Clerici, Basel o. J.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch; typografisch leicht angepasst.