Vater Fidelius

Land: Schweiz
Kategorie: Legende

Es war Anfangs des 17. Jahrhunderts, dass die östreichische Regierung zu Innspruck, Ansehen und Macht des Erzhauses aufrecht zu halten und die von der rohen Soldateska Unterjochten ihre Gewalt und Übermacht fühlen zu lassen, auch das unter ihrer Botmässigkeit stehende Prätigau durch unendliche Erpressungen drückte, und dessen Bewohner an Seele und Leib tyrannisirte. - So wurden die Prätigauer gezwungen, auch ihrem alten Glauben abzusagen und zum römisch-katholischen Kultus sich zu bekennen; die Regierung setzte zur Ausführung des kaiserlichen Befehles die protestantischen Prediger ab und Patres an ihre Stelle, so nach Seewis den Pater Fidelius, Kapuziner-Guardian von Feldkirch, von Sigmaringen gebürtig.

Derselbe pflegte nun auch am 24. April des Jahres 1622 nach Anweisung seiner Obern des ihm anvertrauten Gottesdienstes in der Kirche zu Seewis, bewacht von einer Truppe Söldner, die vor dem Gotteshause Posto gefasst hatten. - Wie nun gleichen Tages, zur nämlichen Zeit, in Schiers der Aufstand einen tragischen Verlauf nahm, bemerkte ein Soldat den Rauch, der von der dortigen Pulver-Explosion entstanden war, und rief in die Kirche hinein, dass es in Schiers brenne. Pater Fidelius verstand den Ausruf nicht deutlich, bemerkte aber grosse Bestürzung und Unruhe auf den Gesichtern der Anwesenden. Er beschloss den Gottesdienst mit der Aufmunterung zur Beichte, glaubte in der Verwirrung der Versammelten Verrat zu sehen, und stieg ängstlich von der Kanzel. Nun stürzte Alles aus der Kirche; die Soldaten, das Ärgste befürchtend, gaben Fersengeld. Pater Fidelius, der von Schiers her Schüsse hörte, flüchtete, den Soldaten nach, die steile Halde hinab, wurde von den Bauern eingeholt und von zweien derselben, »Hildebrand und Bärtsch«, getötet. Noch zeigt man unterhalb der Kirche einen Brunnen, dessen Quelle zum ersten Mal soll geflossen sein, als hier, an dieser Stelle, Pater Fidelius die Märtyrerkrone sich erwarb. - Papst Benedictus XIV. erhob ihn im Jahre 1746 unter die Seligen. -

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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