Der Dorfpfaffe zu Langnau

Land: Schweiz
Region: Emmental
Kategorie: Sage

Zu der Zeit, da das Kloster Trub gegründet wurde, stand mitten im Dorfe Langnau eine dem heiligen Wolfgang geweihte Kapelle. Den Gottesdienst hielt ein Priester, dem unter seinem Priesterkleid ein böses Herz schlug. Kein Betrug war ihm zu gemein, wenn es galt, jemand sein Gut abzutrotzen. Die weltlichen Herren im Zwinggarten liessen ihn gewähren, weil er für das Heil ihrer Seelen beten sollte.

Auf einem Hügelzuge nördlich von Langnau stand zu jener Zeit ein prächtiger Tannenwald, der den Geistlichen gelüstete. Mit Hilfe eines gefälschten Pergamentes wagte er es, ihn der Gemeinde abzutrotzen. Als es darüber mit den Langnauern zu einem Prozess kam, tat der treulose Geistliche vor versammelter Gemeinde einen falschen Eid. «Ich will auf dieser Erde und nach meinem Tode keine Ruhe finden, wenn das Erdreich, auf dem ich stehe, nicht, durch Brief und Siegel verbürgt, mein Eigentum ist.», so schwor der Arglistige. Aus seinem Garten hatte er aber zuvor Erde in die Schuhe getan.

Gestützt auf diesen Eid wurde ihm der umstrittene Wald zugesprochen. Vom bösen Gewissen gepeinigt, fand er aber keine Ruhe, weder vor noch nach seinem Tode, und der Wald, in dem er einst den Meineid getan, heisst bis auf den heutigen Tag der Pfaffengrat. Um die Mitternachtsstunde entsteigt der treulose Geistliche seinem Grab als riesenhafter Knochenmann in Priesterkleidung und schreckt die Bewohner des Dorfes. Einst erschien er einem Kiltbuben, der sich vor ihm auf die Laube an seiner Liebsten Haus flüchtete. In der Angst schleuderte er dem Verfolger einen Kürbis an den schauerlich tönenden Schädel. Der Knochenmann aber wuchs zu riesiger Grösse an. Ein Angstschrei entfuhr des Bedrängten Munde. Vom Schrecken gelähmt, konnte er kein Wort mehr sprechen, Fieber schüttelte seinen Leib, und nach drei Tagen war er ein Opfer des Todes.

Der nämliche Sagenstoff wird in fast unveränderter Gestalt auch für den Frittenbach bei Langnau bezeugt.

Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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