Dr Stieregrlng

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Dr Stieregrlng

We me vom Wil i ’s Tubeloch hingere geiht, so steiht lingger Hang a re stotzige Siten es alts Burehus; 's Seppsuhs seit men em. Äs het wie alli alte Burehüser zwo Firschte; die ungerni isch öppe drei Schueh teufer weder die oberi. So wit i mi zruggbsinne ma, isch a dr ungere Firscht e Stieregring amene Seili ghanget. Mi het fasch dr Chopf agschlage, we me Heu iheto het. Wär ne do oben agmacht het, weiss me nid. Mi het deren u diesere brichtet: Äs sig e böse Geischt drinn, mi heig Ungfel gha im Stall; aber niemer het eigetli gwüsst woruber. Mlr Ching hei dr Gring gförchtet wie-n-es Unghür. Drüenünzgi het dr Bur es neus Schürwärch lo mache. Du isch er dr Gring go näh‚ het nen i Bitze verschlage u verlochet.

Um Gewittern, Flüchen und bösen Geistern zu wehren, hängten die Bauern in Schwaben und Franken Ross- und Rinderschädel an die First. Auch A. Jahn, der Kanton Bern, Bern u. Zürich 1850, erwähnt den Brauch mehrmals; S. 149 Heidenhaus hinter Köniz; S. 246 Heidenhaus in der Gummen bei Wattenwil; S. 363 mehrere der ältesten Häuser in Radelfingen; nach der Überlieferung sollten die Köpfe Feuer und Blitz, oder, als ein Tieropfer‚ wie Jahn beifügt, Viehseuche abwenden.

Paul Herrmann, Altdeutsche Kultbräuche, deutet den Brauch als Rest einer alten Kulthandlung. „Die Alamannen schnitten Pferden, Rindern und andern Tieren die Köpfe ab und riefen die Götter an.“ Das Fleisch der getöteten Tiere diente als Opferschmaus; die Köpfe wurden aufgehängt. Wenn diese Ansicht richtig ist, so zeigt uns der Brauch, welchen Gang die Entwicklung nahm: Im Anfang‚ auf einer niedrigen Stufe, war die Zauberhandlung des einzelnen Menschen. Aus der Zauberhandlung ging der Kult, der höhere Gottesdienst, der mit reichen Mitteln arbeitet, hervor, wie er von einem Verband oder einem Volke ausgeübt wurde. Aber im Verlauf der Zeit sank die Kulthandlung wieder zur blossen Zauberhandlung herab, wie sie der Bauer vollbringt, um dem Dämon zu wehren; der Gedanke, dass die Handlung wohl bezweckt, mit einem Sühneopfer eine schädigende Macht zu versöhnen, mag ihm fernliegen oder doch nur dunkel und unbewusst in ihm schlummern.

Ein anderer Brauch unserer Gegend darf wohl ebenfalls als Opferhandlung gedeutet werden (siehe Alti Brüch).

M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929

 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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