Der gestörte Ritt - Sage

Der gestörte Ritt

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Vom Weiler Leidiken im aargauischen Sulzthale geht der Fussweg über den Berg in das Thal von Gansingen. Jn der Höhe der Halden oberhalb dem Dörfchen Bütz liegt unfern einem vereinzelten Bauernhofe ein wildes Brünnlein. Hier haben die Leute, die in Sommerabenden vorübergehen, ein junges Weib sitzen gesehen, die mit trauriger Miene das Haar flicht, welches ihr über Nacken und Schulter herab wallt. In den zwanziger Jahren ritt der Pfarrer von Gansingen hier herüber. Als er in die Nähe des Brünnleins kam, bat der mitgehende Sakristan, behutsam abzusteigen, weil hier das Pferd vor der Erscheinung des Weibes leicht scheuen könnte. Allein der Pfarrer meinte, er habe im Dienste der Kirche mit Geistern nichts zu schaffen und blieb im Sattel. Gleichwohl bäumte sich an der Quelle das Ross und warf den Reiter ab, ohne dass er jedoch wirklichen Schaden nahm. Von der Zeit an stieg der Pfarrer jedesmal, so oft er über den Berg musste, vorsichtig in der Nähe des Brunnens vom Rosse und führte es am Zaume vorbei. Der Mann jenes einzelnstehenden Hauses oberhalb Bütz erklärt, dass man seit jenem Ritte des Pfarrers die Erscheinung nicht mehr wahrnehme und dass also gerade dadurch der Geist erlöst sein werde.

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 30

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.