Nothhaus für Ertrunkene - Sage

Nothhaus für Ertrunkene

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Nach einem im Freienamte geltenden Glauben muss ein durch eigene Schuld ums Leben Gekommener so lange ruhelos wandeln, bis die Zahl der ihm bestimmt gewesenen Lebensjahre voll ist, und man hat dafür folgende Geschichte aus dem hintern Entlebuch.

Ein unbesonnener Bursche badete sich häufig in einem Gumpen (Bachloch), dessen Wasserstand durch plötzliche Gebirgszuflüsse oft sehr gefährlich wurde. Dorten fand man ihn einmal ertrunken. Da man durch geheiligte Loosbücher heraus brachte, dass er wohl siebenzig Jahre alt geworden sein würde, so erbarmte man sich seiner und liess ihm ein Häuschen mit Tagelöchern ans Gestade hinbauen, damit er doch gegen Wind und Wetter geschützt sei. Einer aus dem Dorfe Marbach hat ihn dorten aus dem Tageloch schauen sehen und ist darüber in ein anhaltendes Weh verfallen. Der Volksglaube fasst dies in dem Satze zusammen: Ein Gespenst muss ein Dach haben, hat es keins, so sucht es eins.

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.