Brennender Räuber in der Reuss - Sage

Brennender Räuber in der Reuss

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Am hohen Reussufer Mühlerain steht nahe bei der Linnmühle an einem verfallenen Hag eine alte Buche. Wer dort in der Nacht vorüber wandelt, wird von einem feurigen Manne verfolgt und läuft Gefahr, in die Reuss hinab gestürzt zu werden. Gleichwohl hat noch jeder, anstatt im raschen Strome zu ertrinken, immer glücklich das Gestade wieder erreicht.

Hier wollte einst ein Mann ein wenig ausruhen, der von Birmenstorf nach Muntwil ein Fässchen Branntwein auf seiner Hutte zu tragen hatte. Plötzlich lief vom Muntwiler-Felde ein Anderer gegen ihn her, roth wie eine Gluth, nahm ihm die Hutte sammt Fässchen von der Buche weg und schleuderte zugleich den Mann weithin ins Gesträuch. Dieser verlor, sowie er sich wieder aufgerafft hatte, den Muth nicht, sondern lauschte sogleich, nach welcher Richtung der Dieb entweichen werde. Im Augenblick hörte er unter sich mitten in der Reuss einen Strudel entstehen, und sah, wie der Brennende durch den Fluss ans jenseitige Ufer watete, ohne im Wasser zu erlöschen und ohne dass zugleich das Fässchen Schnaps auf seinem feurigen Rücken sich entzündete. Aehnliches hat sich auch schon auf dem Ackerlande begeben, das des Müllers Reben heisst und oberhalb jener Linnmühle an der Strasse liegt.

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 46

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.