Etelmutter zu Schneisingen - Sage

Etelmutter zu Schneisingen

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Jm Oberholze von Schneisingen findet sich ein rund ausgemauertes Loch im Boden, das der Rest eines alten Thurmes zu sein scheint. Es ist so tief, dass man hinein geworfene Steine drunten nicht wieder auffallen hört. Die Heiden haben es vormals bewohnt; es war ihr Schatzhaus. Sie sind fortgewandert oder ausgestorben, und nur die Etelmutter allein ist übrig geblieben. Diese geht eigenthümlich gekleidet in einem rothen Rocke einher und verfährt mit den Holzdieben, die sie betrifft, so barsch, als ob der ganze Gemeindewald ihr gehöre.

Zum Schutze gegen dieses gefürchtete Weib hatte ein Schneisinger-Holzfrevler ein Muttergottesli in den Sack gesteckt, eines jener gebrannten kleinen Thonbildchen, wie die Wallfahrer duzendweise um einen Kreuzer in Einsiedeln kaufen, und gieng damit im Walde seinem Diebstahl nach. Die Etelmutter konnte ihm diesmal zwar nichts anhaben, aber doch trat sie ihm drohend entgegen und sagte höhnisch: Wenn der Mann das Herz verliert, nimmt er sich eine irdene Frau! Diesmal fand der Angeredete auch den Wohnplatz der Alten und hat ihn später einmal seinen Buben gezeigt; es ist ein Fleck unter einer breiten Fohre, der so besonders sauber gekehrt ist, dass nicht eine Waldnadel oder ein Steinchen drauf liegt.

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 59

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.