Mattisee und das Schwedenhaus bei Hettenschwil - Sage

Mattisee und das Schwedenhaus bei Hettenschwil

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Als die Schweden die Rheinstädtchen Laufenburg und Rheinfelden belagerten, verwüsteten sie ringsum alles Land im benachbarten Jura und verfuhren namentlich in den Thälern von Mandach und Hottwil auf eine unmenschliche Weise. Sie gossen den Leuten Mistjauche ein und banden sie an den Schwanz ihrer Rosse; dann jagten sie mit denselben oberhalb Wil durch die Barte, das Härdlen- und das Götzelenholz, dann durchs Jmmenholz auf dem Altweggäßlein nach Gippingen zur Aare, und stürzten die Armen hier übers Ufer in den Fluss. Fragt man aber, warum sie von hier aus niemals in die innere Schweiz, und nicht einmal weiter in die hier offene Landschaft eingedrungen seien, die man das Kirchspiel nennt, so weist man auf ein altes Haus in Hettenschwil, an welchem die Wappenschilde der VIII Alten Orte (Kantone) angemalt sind. Diese Schildzeichen, sagt man, hätten den Feind so in Respekt gehalten, dass er seine Truppen nie über das Sennenloch, ein Waldthal von Hettenschwil, vorgeschoben hat, sondern droben im Versteck des Berges Verschanzungen anlegte, die noch vor fünfzig Jahren gestanden und dem Platz bis zur Stunde den Namen Schwedenholz bewahrt haben.

Wo aber der Name der Eidgenossen damals nicht verlautete, da gieng es gerade umgekehrt. So nennt man im Frickthaler Dorfe Jttenthal eine geräumige Berghöhle das Schwedenloch, weil sich die unbeschützten Bauern alle in sie flüchten mussten. Auf den gleichen Waldwegen nun, auf denen damals das arme Landvolk zu Tode geschleppt worden ist, fahren jetzt die schwedischen Reiter auf halben Rossen Nächte lang hin und her. Sie treiben da ihre Pferde auf die Weide und reiten sie in die Tränke. Letztere liegt an der sogenannten Schwetti. Einer reitet ihnen dabei voran, der besonders an der Sichel kennbar ist, die er in der Hand schwingt. Die Wallbacher am Rheine wissen gleichfalls von ihm und sagen, er sei von einem Frickthaler mit der Sichel geköpft worden, als er diesem verwehren wollte, die schon überreif gewordene Frucht zu schneiden. Bei Laufenburg sagt man, es sei der Schwedenkönig selber, dem seine eignen Leute bei einem Lagertumulte das Haupt abgeschlagen hätten. Bei regnerischer Witterung beginnt ein hundertstimmiges Hurrahrufen, ein Kesseln und Rasseln, dass sich kein Mensch in der ganzen Gegend Nachts in den Wald wagen würde; und dieses wunderliche Getöse hat man Mattisee genannt. Das „Schwedenhaus“, welches der Feind sonst droben auf der Waldhöhe „Schwedenholz“ bewohnte, ist ins Dorf herabgeschafft worden und steht da noch.

Eine Gegend droben im Walde nennt man die Hohle Gasse. Hier stand einst ein Schloss, als aber der Krieg kam, vergruben die Schlossbewohner ihre Schätze, zogen hinweg und das Schloss verfiel. Zwei Männer haben einmal versucht, das Geld zu heben, und hatten in tiefem Stillschweigen bereits einen Trog hervorgegraben, den sie alsbald mit vier Kreuzthalern unterlegten. Als sie nun auch den Deckel abhoben, sprang eine Schlange draus hervor und hieng sich dem einen um den Hals, dass er zu schreien anfieng. Augenblicklich war die Schlange wieder in den Trog zurückgesprungen und dieser mit ihr versunken. (A. Birrcher in Laufenburg.)

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 160

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.