Das Hölentier bei Oberfrick - Sage

Das Hölentier bei Oberfrick

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Unterhalb der Gipf, einem Dorftheile der Gemeinde Frick, wohnt das Hölenthier und wird da manchen Leuten hinderlich, die über das Ebnatfeld gehen wollen.

Zur Zeit da die Schweden im Frickthale lagen, sollte eine Stafette vom obern Jura her nach Frick hinab ins Quartier Bericht bringen; beim untersten Hause in der Gipf angelangt, hielt der Reiter rathlos still. Hier scheiden sich die Wege, und noch dazu war es nicht Morgen.

Von der Scheune her hörte er aber den Schall eines geschwungenen Dreschflegels, er pochte also ans Thor und befahl zu öffnen. Als der Bauer mit dem Dreschflegel heraustrat, befahl ihm der Reiter, unverweilt sein Ross an den Zügel zu nehmen und mit ihm nach Frick zu gehen. Der erschrockene Bauer gehorchte. So kamen beide in der Dämmerung bis zu jenem weiten Graben unterhalb Gipf, den man Höle nennt, das ist Hohlweg, weil hier ehedem ein Karrweg durchführte. Hier machte sich damals schon das Hölenthier gefährlich, wenn man vor Morgenläuten passieren wollte; deshalb liess nun der Bauer den Zaum des Rosses aus der Hand und trat zurück, um zu sehen, wie der Reiter über den verrufenen Platz kommen werde. Allein dieser vermuthete eine Arglist und es kam zwischen Beiden zum Streit. Da der Schwede drohte und zur Waffe griff, so schlug ihn endlich der Bauer mit dem Dreschflegel todt. Der Getödtete muss seither an dieser Stelle als ein Hund spuken, welcher Augen wie Pflugräder hat. Unbeweglich legt er sich quer über die Strasse, damit man stolpere; schlägt man mit dem Stocke nach ihm, so setzt es einen geschwollenen Kopf ab. Er hat seinen Lauf von des Hegels Haus, gegenüber der Kapelle, bis zum Fussweg dahinter, und Hegels Mädchen, ein Fraufastenkind, hat ihn gar oft vom Fenster aus gesehen. Wenn unser Schneider vom Kornberg her Nachts diese Richtung heimwärts einschlug, so ist ihm sogar der Ellenstab unter dem Arm weggezogen worden. Der Geist erscheint auch als ein hagerer langer Mann mit einem breitkrempigen Wollhut auf dem Kopfe. Mit heftigem Windsgeräusch kommt er gegen die Leute hergefahren und nimmt ihnen den Hut vom Kopf. Von dem Helgenstöckli an, einem Wegkreuze, buckelt er ihnen auf und lässt sich bis ins Dorf tragen. Ein Frickerbauer, der etwas zu tief ins Weinglas geschaut hatte, forderte den Geist im Heimgehen heraus. Dieser erschien in Gestalt eines Geistlichen in einem langen Schwarzrock, das Läppchen um den Hals und einen Dreispitz auf dem Haupte, wie die Orts- pfarrer im vorigen Jahrhundert einhergiengen. Unschädlich verschwand er sodann.

E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.