Das Untier bei der Kaistnerbrücke - Sage

Das Untier bei der Kaistnerbrücke

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Wo unterhalb Laufenburg der Bach, welcher vom Dorfe Kaisten seinen Namen hat, in den Rhein mündet, führt eine Brücke in den weiten Hardwald. Dort kommt man rechts ab zur Rheinfähre und kann sich nach dem gegenüberliegenden badischen Dorfe Murg schiffen lassen. Dies muss aber bei Tag geschehen; sonst wird der Fährmann, der drüben im Dorfe wohnt, bestimmt nicht herüber rudern. Denn schon oft hat er bei einbrechender Nacht von diesem hohen Ufer her den Ruf „hol über!" vernommen und auch ganz genau über das jähe Uferbord jemand herabsteigen gesehen. Doch wenn er nun erschien, war niemand zu erblicken, und bloss von einer Tanne herab schallte ihm ein höhnisches Gelächter entgegen. In der ganzen Umgebung dieser Kaistnerbrücke haust ein Spuk. Wer dann hier in den Quatembernächten passiert, der fühlt etwas so drückend im Nacken sitzen, als sollte er geritten werden. An gewissen Stellen springt es wieder ab, und höhnt aus dem Hardwalde nach. Oder der Fussgänger meint, es gehe gleichen Schritt haltend neben ihm her. Fuhrleute kommen oft nicht von der Stelle, und den Reitern wollen die Rosse umkehren.

Und würden es die Leute nicht noch aus neuerer Zeit erzählen, so stünde es gar nicht hier. (Mittheilung von I. A. Nueb in Laufenburg.)

E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.