Ende des letzten Froburgers - Sage

Ende des letzten Froburgers

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Der letzte der Froburger-Grafen war Eberhard, ein harter Mann gegen seine Unterthanen und ein unersättlicher Jäger. Er kam an einem Julitage aus der Zofinger Gegend von Adelboden her und ritt scharf auf Olten zu, um dieses Städtchen noch vor dem Losbruch eines drohenden Gewitters zu erreichen. Gerade Richtung eingehalten, schrie er seinen Vorreitern zu; „Es kommt auf einige Garben nicht an!“ Und so sprengten sie mitten durch die reifen Saaten mit allem Trosse der Oltener Aarbrücke zu. Da erbebte die Erde von einem Donnerschlag, und zugleich steht auf den Höhen des Hauensteinpasses die Froburg in Feuer, als ob alle Blitze des Himmels auf sie niederregnen wollten. „Was ist das!“ rief der Graf betroffen aus, als er droben im Jura das Feuer lodern sah. „Eure Burg geht in Flammen auf!“ antwortete ihm die heisere Stimme eines alten Weibes. Sie stand vor ihm am Stalden des Städtchens, nahe bei dem Bogen der bedeckten Aarbrücke. An dem höhnischen Tone erkannte er sogleich das Weib wieder. Sie hatte ihm schon heute Morgen, da er nach Aarburg durchritt, an dieser gleichen Stelle Unheil verkündet gehabt. „So soll“, rief der Frevler ingrimmig aus, „mir das Volk so lange an einer neuen Burg bauen, bis kein Pflug mehr im Lande geht. Und wo's der Mörtel nicht thut, da behebt Bauernblut!“ Aber im gleichen Augenblicke reisst ihn ein Blitzschlag vom Rosse. Und als die Knappen nach ihm sahen, lag er schon entseelt am Boden. Sie weckten die nächst Wohnenden und trugen dann, als diese nirgend öffnen wollten, die Leiche in die alte Kirche, die noch das einzige Gebäude von jenen vielen Häusern war, die ehemals das Rittergeschlecht hier besessen hatte. Er ward hier ausgesetzt und bestattet. Am Brückenrain besagte eine öffentliche Inschrift, hier an dieser Stelle sei einst das Froburger Geschlecht erloschen. Die Inschrift wurde später mit einem Gemälde vertauscht, das den vom Blitz unter das Ross geworfenen Grafen darstellt. Ein Eisendrahtgitter schützt es. Es ist durch Wetter und Zeit verblichen. Die Froburg ist nicht wieder erbaut worden. An ihrem Platze steht heute ein hübscher vielbesuchter Sennhof.

Die Chroniken Basels lassen den Grafen von Froburg zugleich mit seinem Schlosse untergehen, zurzeit, da das Erdbeben im Jahr 1356 die ganze Stadt Basel verschüttete und in der Umgegend 84 feste Burgen und Schlösser zusammen in Trümmerhaufen stürzte. Der Graf wird Hanemann genannt. Man weiss nun zwar aus sichern Nachrichten, dass Graf Hanemann erst neun Jahre nach dem grossen Erdbeben starb. Gleichwohl hat kaum an einem Schlosse das Erdbeben so grosse Spuren der Zerstörung hinterlassen wie an seinem. Die steile Fluh, auf der es lag, über die benachbarten Gebirgsköpfe emporblickend, 1500 Fuss über der Aare, zerriss in ihren Grundfesten und öffnete tiefe Klüfte, Schlünde und Spalten.

E. L. Rochholz,Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch