Silberne Eiszapfen - Sage

Silberne Eiszapfen

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Ein bejahrter Mann aus dem Dorfe Reckingen, Bezirks Zurzach, erzählt folgendes aus seiner Nachbargemeinde Böbikon, im Bezirke Zurzach. Das Böbikoner Wiesental verliert sich zuletzt zwischen steilen Felsen, durch deren Kluft der Kreuzlibach geht. Oben im Gestein glaubt man noch einige Mauertrümmer zu bemerken und nennt sie das Schlösslein Grünenfels.

Zu Anfang unseres Jahrhunderts, ging einmal ein Bursche aus Böbikon den selten mehr betretenen Pfad oben durch diese Felsen- oder Burgtrümmer und gelangte unvermutet zwischen dem Geklüfte in eine unterirdische Grotte hinab, von deren Decke die allerschönsten Eiszapfen herunter hingen. In der Bestürzung über dieses fremde Wunder entlief er, erzählte aber seine Neuigkeit frisch den Kameraden daheim. Diese jedoch schalten und höhnten ihn über seine Verzagtheit. „Du Narr Du,“ sagten sie, „solche Eiszapfen sind eitel Silber! Hättest Du Deinen Schuh, oder sonst was aus Deiner Tasche, ein einziges Bröselein Brot in die Grotte hinein geworfen, so hättest Du da einen ungeheuren Schatz heben können.“

(Oberlehrer H. Herzog in Aarau.) 

Sage aus Böbikon, Bezirk Zurzach

Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 120 - 120

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.