Die drei Mareien - Sage

Die drei Mareien

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

In früherer Zeit standen die Heilquellen Badens unter dem Schutze und der Aufsicht drei weißer Frauen. Wo sie eigentlich wohnten oder zu Hause waren, wusste man nicht, doch sagt man, dass das alte Schloss, ehemals zum Stein genannt, ihr Wohnsitz gewesen sein soll. Selten nur sah man sie von Angesicht zu Angesicht, obschon sie, besonders während der Badezeit, fast immer in Baden anwesend waren, wo sie dann eine strenge Aufsicht über die Bäder führten. Wo sie eine Unreinlichkeit sahen, oder sonst etwas nicht in der gehörigen Ordnung war, blieb auf ihren Befehl das Wasser sofort aus und fing erst dann wieder an zu fließen, wenn der Schmutz entfernt oder der Schaden wieder hergestellt war.

Ihre größte Aufmerksamkeit widmeten sie jedoch dem Verenenbad, das von der heiligen Verena, die hier badete, seinen Namen hat, das man aber früherhin nur schlechtweg das Verenenloch nannte. Dort ließen sie so heilkräftiges und starkes Wasser zufließen, dass schwangere Weiber oder solche, die ein Kindlein begehrten, wenn sie dort badeten, bald eines solchen genasen. Auch Kinder, welche krank waren, machte das Wasser dort bald gesund. Wem sie aber die Huld ihres Anblickes schenkten, der ward in seinem Leben nie wieder krank.

Diese drei weißen Frauen, welche überaus schön waren, nannte man die drei Mareien.

Ihr Andenken lebt in folgendem Kinderreim noch heute unter dem Volke:

Rite, rite Rößli,

Z’ Bade stoht e Schlößli,

Z’ Bade stoht e güldigs Hus,

Es lueged drei Mareie drus.

Die eint spinnt Side,

Die andere schnitzelt Chride,

Die dritt schnit Haberstrau,

B'hüet mir Gott das Chindle au!

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.