Der Ochs von Düdingen

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Zu Anfang des 14. Jahrhunderts stand in Düdingen ein Kirchlein, das für die wachsende Ortschaft längst zu klein war. Aber es barg als kostbares Heiligtum einen Schrein mit Reliquien des heiligen Apostelfürsten Petrus, die von der Bevölkerung der ganzen Gegend hoch verehrt wurden.

Um diese Zeit brach zwischen den Städten Freiburg und Bern ein Krieg aus. Die Feinde drangen ins untere Sensetal vor, raubten, plünderten und brandschatzten. Schon nahten sie sich Düdingen. Da eilten die Dorfgenossen zusammen und hielten Rat, wie sie die Reliquien vor der Raubgier und blinden Zerstörungswut des Feindes retten könnten. Es wurde beschlossen, dieselben einem Ochsen auf die Hörner zu binden und dann das Tier an einen sicheren Ort zu bringen, bis alle Gefahr vorüber sei. Der Ochs wurde herbeigeschafft und ihm der Schrein mit den Heiligtümern sorgfältig an den Hörnern befestigt. Aber in diesem Augenblicke stürmten schon die Berner mit wildem Kriegsgeschrei ins Dorf. Darob erschrak der Ochs und ergriff die Flucht. Mit mächtigen Sprüngen satzte er zum Dorfe hinaus und verschwand im nahen Walde.

Die Berner drangen immer weiter vor und kamen bis an die Tore der Stadt Freiburg. Dort wurden sie aber zum Rückzug gezwungen. Als endlich der Kriegslärm im Lande verstummte, da machten sich die Düdinger auf die Suche nach dem Ochsen. Sie fanden ihn friedlich weidend in nächster Nähe des Dorfes. Der Reliquienschrein ruhte noch unversehrt auf seinen Hörnern. Hier hatte der Himmel ein Zeichen getan. Die ganze Bevölkerung vereinigte ihre Kräfte und baute an dieser Stelle eine geräumige Kirche. Sie wurde dem heiligen Petrus geweiht. Die Reliquien kamen auf einen Seitenaltar, und über ihnen prangten als Zierat die Hörner ihres Beschützers. Bei einem späteren Umbau der Kirche trug man die Reliquien, die indessen eine kunstvolle Einfassung erhalten hatten, in die Friedhofkapelle über. Dort sind sie heute noch zu sehen. Die Ochsenhörner aber wanderten in die Sakristei. Im Laufe der Zeit ging eines verloren, und das andere wurde in ein Musikinstrument umgewandelt. Im Wappen der Gemeinde aber halten sie für alle Zeiten und Generationen die Erinnerung an jenes denkwürdige Ereignis wach.

 

Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch

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