Die Schlange zu Linn - Sage

Die Schlange zu Linn

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Zur Zeit der Pest im Jahre 1610 war das Kirchdorf Linn auf dem Bözberge noch der Begräbnisplatz dreier Nachbardörfer. Als man damals die vielen Leichen nicht mehr auf dem einen Kirchhof unterbringen konnte, grub man auf dem benachbarten Felde eine tiefe Grube, warf die Toten unterschiedslos, wie sie nackt oder mit Kostbarkeiten geschmückt hergeschafft wurden, in sie hinab und pflanzte schließlich eine Linde auf den Platz.

Dies ist die große Linde von Linn, die nun ihre 251 Jahre steht. Vor Alter ist ihr Stamm gespalten; in ihrer Höhlung, heißt es, haben große Schlangen ihren Wohnsitz und hüten die Schätze, die hier einst mit den Leichen in die Erde gelegt worden sind. Wer in die Klüftung des Baumes hineinsteigt, um den Geistern das ihrige zu nehmen, der muß auf der Stelle sterben.

Sage aus Bözberg (Gemeinde Bözberg, am dem 1. Januar 2013 durch die Fusion der Gemeinden Gallenkirch, Linn, Oberbözberg und Unterbözberg entstanden), Kanton Aargau

Quelle: E. L. Rochholz, Naturmythen. Neue Schweizer Sagen, Leipzig  1862.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch