Der grosse Salatkopf oder Neisa und die schwarze Riesenkatze

Land: Schweiz
Kategorie: Zaubermärchen

Eines Tages hatte die Stiefmutter Neisa ausgeschickt, um Löwenzahnsalat zu pflücken, und Neisigna war lange herumgestreift, hatte aber nicht einmal ein Salätchen gefunden. Doch jetzt fiel ihr Blick an einem Stein entlang herunter, und sie sah einen riesigen Salat und dachte: «Nimm den, so hat sie für einmal Salat genug.» Sie stiess ihr Messer in die Erde und grub ihn aus. Beim Graben hörte sie ein Geräusch, sie schaute nach, und was war es? - das Messer war an einen eisernen Ring geraten. Sie zog daran, und es öffnete sich eine Falltür, und sie sah eine Treppe, die unter den Boden führte. Die Neugier stach sie, und sie ging nachschauen, was Schönes da unten sei.

Sie kam in eine Stube, wo in einer Ecke ein Sessel stand, darauf lag eine schwarze Riesenkatze. «Was hast du da unten verloren?», fragte die Katze. «Oh, ich habe beim Salat graben eine kleine Falltüre gefunden, da bin ich hinuntergegangen, weil ich wissen will, was es hier zu sehen gibt.» - «Gut», sagte die Riesenkatze, «da du nun hier unten bist, könntest du gleich ein wenig meinen kleinen Dienstmädchen bei der Hausarbeit helfen; sie sind so klein und kommen kaum vom Fleck.» - «Ja, sicher», antwortete Neisigna, «das will ich von Herzen gern tun», und sie ging in die Kammer und fand da zwei Kätzchen, die machten die Betten. Sie mussten eine Matratze kehren und waren kaum im Stand, sie zu heben, und da half Neisigna ihnen. Dann ging sie in die Küche. Dort waren auch zwei Kätzchen, die wollten eben den Hafen über das Feuer hängen; doch der Hafen war grösser als sie, und sie keuchten und schnauften und mühten sich schwer ab, da half Neisigna ihnen. Dann stieg sie in den Keller. Dort waren zwei Kätzchen, die einen grossen Krug voll Wein abgefüllt hatten. Doch sie wussten nicht, wie sie es anstellen sollten, den Krug hinaufzutragen, ohne dass er zerbrach. Und Neisigna half ihnen beim Tragen, dann ging sie in die Stube, um der schwarzen Riesenkatze adieu zu sagen. Da sagte die: «Wenn du jeden Tag eine Weile kommen und meinen kleinen Dienstmädchen helfen könntest, so gäbe ich dir am Ende etwas Schönes als Lohn.» Und Neisigna antwortete: «Aber sicher, das will ich gern tun.» Und Tag für Tag zur selben Stunde machte sie sich von zu Hause fort und stieg durch die Falltür nach unten. Doch ihre Schwester Staschia merkte dies eines schönen Tages und wollte wissen, wohin Neisigna jeden Tag verschwand. Neisigna erzählte ihr von der Falltür, von der schwarzen Katze und von den kleinen Dienstmädchen. «Morgen gehe ich statt dir hin. Komm nur und zeig mir die Falltür», sagte Staschia. Und tatsächlich, am nächsten Tag stand sie vor der schwarzen Katze. «Was willst du hier?» fragte die Katze. «Heute bin ich an Stelle meiner Schwester gekommen, um den Kätzchen bei den Arbeiten im Haushalt zu helfen», antwortete sie. «Gut, so geh und hilf ihnen», sagte die schwarze Katze. Und Staschia ging in die Kammer. Die Kätzchen hatten eben die Matratze aufgehoben, um sie zu kehren, da versetzte Staschia der Matratze einen Stoss, so dass diese umfiel und die Kätzchen zerquetschte. Dann tauchte sie in der Küche auf. Dort hatten die Kätzchen eben den Hafen übers Feuer gehängt, und Staschia fackelte nicht lange, packte die Kätzchen am Hals und schmiss sie in den Hafen. Darauf verschwand sie in den Keller. Die Kätzchen füllten gerade Wein ab. Staschia packte sie und schleuderte sie gegen das Fass, so dass die Kätzchen tot liegen blieben. Dann stieg sie die Treppe hinauf und ging hinein zur Riesenkatze. «Nun habe ich die Haushaltsarbeiten erledigt», sagte sie in frechem Ton. Sie glaubte, die Riesenkatze wisse noch nicht, was sie angestellt hatte. Doch die Riesenkatze wusste alles, sie sprang Staschia an den Kopf und begann sie zu kratzen und zu beissen.

Staschia schrie und wehrte sich, so gut sie konnte, doch die Riesenkatze liess sich nicht abschütteln und richtete sie ganz schlimm zu. Mit Mühe und Not gelangte sie die Treppe hinauf und zur Falltür hinaus; und erbärmlich sah sie aus, als sie nach Hause kam. Und bei der schwarzen Riesenkatze liess sie sich nicht mehr blicken.

(Oberengadin)

 

Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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