Verstorbene holen das Versprochene

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Ich hab ghört von Alten, das zwen gutt gsellen und Zächbrüder gsin vngefarlich umb das Jahr des Herrn 1526, der ein uss der March (im Canton Schwiz) der ander von Rapperschwyl. Die haben einandren jn einer frölichen Zäch angedingt, das wöllcher vor dem andren sterbe, der Lebend dem abgestorbnen ein fleschen mit wyn lifern sölle an ein bestimpt ort unfern von der Rapperschwyler Brugki, oberhalb dem Dörfflin Hurden. Allso nachdem der ein gestorben und der ander noch lebend sich sines gelübds erinnert, ist er mit der flaschen mit wyn zu bestimpter stund und ort erschinen, allda der abgestorben, oder sonst ettwar (Gott weiss wär) gfragt ob er da sye vnd die flesch mit wyn habe. Daruf er mit seer erschrocknem hertz geantwort, das Ja. Die stimm gevordert, sölle die fleschen darbietten, und sye syn glück so gut, denn so er dis nit erstattet, wäre er ze stucken zerrissen worden. Hierzu dient ouch dis so wir den 15. Dezembrig 1609 allhie in der statt Lucern ein geleerter und wolerfarner Herr und Houpt sines vatterlands in den 4 waldstetten, nämlich zu Uri, Johann Conrat von Beroldingen in warheit erzellt, das sinem An oder grossvatters vater Andreas von Beroldingen Landamman zu Uri fast glychförmige sach und versprechung zwüschen jm zund syner gutten gsellen einem ungefer Ano 1490 sich begeben, allein umb so vil wytter das der eine das geschirr mitt wyn, der ander aber in Brot bringen sollte. Dann als derselbig vor jme gestorben und Er der Lebend sye an des gelübds yngedenk sich mit dem gschirr mit wyn an dz bestimpte ort verfügt, sye des abgestorbnen Seel oder geist allda mit dem brot erschwere, doch sich nit sehen sonder allein die stimm hören lassen. Daruff Er, der Lebend gefragt, wie es vmb syn des abgestorben seel stände, ob Er sälig oder verdampt. Daruff jmi geantwort worden, Er möge es zwar nit wüssen, denn die beschlüfslich urtheil noch nit ergangen, denn er habe noch mässen das versprochen gelübde bim Leben beschechen halten oder erstatten, alls ein sach der gerechtigkeit. Aber sonst stände es gar gferlich zwüschen jme und der urtheil Gottes und solltend wol alle Menschen gewarnt sin, sich jn kein solche Vermessenheit ze lassen, sondern jre letste Ding besser betrachten. Diser Mann so domalen allso noch in Leben halt sich diss geschefft wol beherziget jst auch in sinem vatterland fast vernampt worden und wo man sin Fenster und Wappen jn hüser begert, hatt ers zwar geben aber allwegen zur gedächtnuss und erinnerung der sach diese histori oben in das gefäss malen und brennen lassen.

 

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.

 

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