Die Hexe und der Kornacker

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Ein Bauer schickte seinen Knecht einige Stunden weit in Geschäften fort. Auf dem Heimwege überfiel diesen gegen Abend ein schreckliches Unwetter, so dass er an einer einsamen Scheune unterstand und bei stark anhaltendem Platzregen hier auf dem Heu zu übernachten sich entschloss. Tief in der Nacht weckte ihn ein Geräusch. Da sah er vor sich eine frohe, vornehme Gesellschaft. Es war das - Gott „b'hüt' uns davor" - der Böse mit einer Anzahl Hexen. Nach dem Gastmahle kam eine um die andere, um von ihrem höllischen Meister sich Fragen und Schwierigkeiten lösen zu lassen. Jetzt erschien eine Fragestellerin, die der Knecht, welcher unbemerkt blieb, ganz gut erkannte, es war seines Meisters Frau. Die Ohren werden begreiflich nun scharf gespitzt und er hört, wie sie klagt: Ihr Mann habe einen seiner fruchtbarsten Äcker für den Kornbau bestimmt. Die Hexe aber ist Feindin vom Brot. Sie fragt daher, was sie machen müsse, dass der Acker nichts als Halmen und leere Spreu hervorbringe. Und der Teufel antwortet: wenn man auf jenes Feld den Dünger ausführen werde, so solle sie als eine Kröte hinten im Wagen im Mist drinnen sich hinbringen und abladen lassen. Vermöge sie das, so würden die Ähren alle taub. Das Weib ging vergnügt hinweg, aber auch der Knecht merkte sich dieses. Am frühen Morgen verliess er in Hast den unheimlichen Ort und eilte heim, aber schwieg von allem, was er gesehen und vernommen hatte. Als gedüngt werden sollte, wusste er's zu fügen, dass ihm diese Arbeit übertragen wurde. Es entging seinem Scharfblicke nicht, in welcher Scholle etwa und an welchem Platze hinten im Wagen die Kröte stecke; ergriff dann während der Hinfahrt seinen Karst, holte aus und schwang ihn tüchtig durch und durch in der bewussten Richtung hinab. Er hatte gut getroffen, denn keuchend sprang alsbald sein Meister herbei und befahl angstvoll dem treuen Knechte, ohne Verzug zum Arzte zu eilen, die Frau sei am Sterben. Nun enthüllte er das Geheimnis und lud den Bauer ein zu untersuchen. Und siehe, das elende Weib hatte im Bein wirklich eine Wunde wie von einem Karstzinken, an der man sie „aufgeisten" liess.

 

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.

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