Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Zössler (feurige Männer)

Land: Schweiz
Kanton: Appenzell
Kategorie: Sage

Bekanntlich hat es vor alten Zeiten viel Zössler gegeben. So glaubte man, ein Mensch, der den Hag oder die March in des Nachbars Boden hinein verlege, werde nach seinem Tode verdammt, als feuriger Mann in jener Gegend umherzuschwärmen, in welcher er seine Frechheit verübt hatte. Er kann nicht zur Ruhe kommen, bis seine Nachkommen den Schaden wieder gut gemacht, das heisst die March an die alte Stelle gerückt haben. In einer kleinen Gemeinde unseres Ländchens starb ein wohlhabender Bauersmann, der von jedermann geachtet wurde, doch bald hiess es, er sei diesem und jenem erschienen. Einst ging sein Sohn spät aus dem Wald nach Hause, da begegnet ihm sein Vater als feuriger Mann. „Ach Gott im Himmel, Vater, was habt Ihr getan?“ rief der Sohn voll Entsetzen, als er in dem Zössler seinen Vater erkannte. Der Alte deutete nach dem Grenzstein. „Ich will alles in Ordnung bringen, damit ihr erlöst werdet“, beteuerte der Sohn. Der Alte reichte ihm die Hand vor. Eine feurige Hand zu fassen, hatte der Sohn nicht Mut, er hielt ihm das umgekehrte Beil entgegen, der Alte fasste es seufzend und verschwand; das Beil aber war an jener Stelle kohlenschwarz.

Quelle: Dr. J. Heierli, Sagen aus dem Kanton Appenzell. Schweizerisches Archiv für Volkskunde Band 10,1906.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch