Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Von den Selbstmördern

Land: Schweiz
Kanton: Appenzell
Kategorie: Sage

Diese hatten ebenfalls keine Ruhe im Grabe. Suchte einer den Tod im Wasser, so konnte man an gewissen Nächten den Unglücklichen sehen, wie er mit dem Wasser kämpfte. Das Schlucken und Gurgeln hörte man meilenweit. Suchte einer den Tod im Wald, so hörte man das höllische Gelächter des Bösen, sowie das markdurchdringende Geschrei des armen Opfers. Machte einer in seinem Hause seinem Leben ein Ende, so hatte man keine Ruhe mehr darin. Denn in der Nacht hörte man Türen auf- und zuschlagen, Geräusch und Gepolter, Ächzen und Stöhnen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass mir meine Mutter ein Haus zeigte, wo in nicht gar langer Zeit drei Selbstmorde begangen wurden. Dort bei der Tür stand alle Nacht ein rabenschwarzer Ziegenbock. Beherzte Leute, welche nähertraten, sahen jedoch, dass es der böse Geist sei, denn jeder Selbstmörder mache seinem Leben nicht allein ein Ende, sondern der Teufel gebe ihnen den Todesstoss.

Quelle: Dr. J. Heierli, Sagen aus dem Kanton Appenzell. Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Band 10,1906.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch