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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Erdmännchen auf dem Pilatus

Land: Schweiz
Kanton: Obwalden
Kategorie: Sage

In den Höhlen des Pilatus wohnten ehemals allenthalben kleine, wilde Männchen, die bei schönem Wetter bis ins Tal hinuntergingen, um den Leuten Heu sammeln zu helfen. Wenn aber der Abend herannahte, sagten sie, «es will Abend werden».

Bei windigem Wetter sah man sie nie. Während einer Pest riefen sie vom Berg herab mit furchtbarer Stimme: «Esset schwarzi Astrenzen und Bibernellen, so sterbet ihr nicht alle!»

Die Gemsen konnten sie melken und hielten sie für ihre Geissen.

Als daher einige Jäger auf die Gemsjagd gingen, baten die Erdmännchen sie, ihre Ziegen nicht zu schiessen und versprachen ihnen dafür etwas, woran sie immer haben sollten, wenn sie sonst niemandem davon geben würden.

Die Jäger kamen mit ihnen überein und erhielten einen Gemskäs, von dem sie immer und allzeit essen konnten, ohne dass er abnahm.

Aus Vorwitz haben sie einmal andern davon gegeben und jetzt nahm er ab. Den Jägern, die den Gemsen nachstellten, erging es übel; sie stachen ihnen mit einem Messer durch den Rücken, befestigten an der Haut einen Strick und hingen einen Holzblock daran.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch