Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Herdmannliwähen

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Vor Zeiten gab es am Leberberg noch Erdmännchen, die den Leuten in Haus und Hof bei der Arbeit halfen. In den Bauernstuben, den hölzernen Wandbänken entlang, sah man noch kleine, runde Löcher. In diese steckten die Erdmännchen ihre Kunkeln, wenn sie z'Licht kamen, um zu spinnen.

Als einst ein Bauer mit seinen Leuten zwischen Haag und Bettlach um die Mittagszeit pflügte, plagte sie um die Mittagszeit der Hunger. Da hörten sie plötzlich unter dem Boden die Erdmännchen herumpoltern, als würden sie in der Backstube backen.

Da rief der jüngste Knecht: «He, ihr Erdmännchen, macht uns dann auch eine Wähe!»

Wie sie beim Pflügen wieder zu dieser Stelle zurückkamen, da lag neben der Furche im Gras ein weisses Tüchlein ausgebreitet und darauf lag eine frische Wähe und ein silbernes Messer zum Schneiden. Da liessen es sich der Bauer und die Knechte schmecken. Doch waren sie so unverschämt und nahmen Messer und das Leinentüchlein mit. Das verdross die Erdmännchen so, dass die Bauersleute noch so bitten konnten, ihnen eine Wähe zu bringen, die Erdmännchen haben nie mehr eine für sie gebacken.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch