Das Heidenmännchen auf Tristeldärä
Einmal, am Ende des Winters, ereignete sich, dass ein Lungerer auf dem Berggute Tristeldärä, gegenüber der Gummä, für zwei Tage nach Sarnen hinunter gehen musste. Er gab nun einem Heidenmännchen, seinem vertrauten Nachbarn, den Auftrag, während seiner Abwesenheit das Vieh zu besorgen. Das Männchen versprachs, wenn der warme Wind nicht blasen würde. Der Bauer legte wenig Gewicht auf diese Bedingung und nahm wohlgemut den Weg unter die Holzsohlen. Nach wenigen Stunden brach der Föhn los, das Männchen lief in die Boni, versteckte sich unter den Heustock und schob Heu vor sich hin. Da der Wind zwei Tage lang so anhielt, so bekam das arme Vieh keine Nahrung. Am späten Abend des zweiten Tages traf endlich der Bauer in Tristeldärä wieder ein. Wie übel sah es aus! Einige Kühe hatten vor Hunger den Barnen angekerst. Das Männchen hockte ruhig in seinem Versteck. Gerufen, stellte es sich jedoch ein, um den Vorwurf entgegenzunehmen. Allein es antwortete gelassen: „Wie hätte ich dein Vieh hirten können bei so schrecklichem Winde. Hätte er mich angeweht, so wäre alles Mark in meinen Gebeinen vertrocknet und ich hätte sterben müssen."
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch