Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Von der Bettlerküche im Rybiloch bei Brügglen

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Ganz in der Nähe des Rybilochs steht ein steiles Buchenwäldchen mit einer kleinen Höhle an seinem Rande. Zu Zeiten, als es noch viele Heimatlose gab, war sie ab und zu bewohnt. Von Dorf zu Dorf zogen damals jene Leute und bettelten auf den Bauernhöfen der Umgebung um Brot. Der Winter war für sie besonders hart, sie erlebten eine schlimmere Zeit als die Eidechsen und Frösche, die sich in die schützende Erde verkriechen konnten.

Begannen aber die Vögel wieder zu singen, ging es den Leuten in der Höhle wieder besser. Mitten auf dem Platze vor der Höhle wurde ein Feuer angezündet, und darüber in der Pfanne schmolz die Butter, denn mit dem bereitgestellten Teig sollten Chüechli gebacken werden. Die Knaben mit dem widerborstigen Haar und den zerrissenen Hosen kletterten dann auf die schlanken Buchen und bogen sie um, so dass die Bettlerköchin die zarten Blätter in den Teig tunken konnte. Waren die fingerdicken Chüechli schön goldbraun, rutschten die Knaben ein Stück weit die Buchen hinunter, so dass diese sich - behangen mit den Chüechli - wieder aufrichten konnten. Die Leute kamen sich vor wie im Schlaraffenland, wenn ihnen die gebackenen Köstlichkeiten in die hungrigen Münder hinabhingen.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch