Ein Gespenst im Gäu
Eines Nachts hörte ein Schirmflicker etwas rumpeln unter dem Dach, als ob jemand schwere Ketten umherschleife. Auf einmal trat ein Gespenst durch die verschlossene Türe herein, packte ihn und raufte ihm ganz erbärmlich das Haar. «Ungeheuer, was willst du?» jammerte der Schirmflicker. Aber erst, als es vom Kirchturm ein Uhr schlug, liess der Geist von ihm ab. Am Morgen glaubte der arme Mann, er habe bloss geträumt, obschon ihn der Kopf schmerzte. Am andern Abend hielt er sich etwas lange in Fulenbach auf. Als er um zwölf Uhr durch den Wald ging, kam ein schwarzer Hund mit feurigen Augen auf ihn los. Der Schirmflicker wollte davonlaufen, aber es war ihm, als hielte ihn jemand zurück. Da fiel ihm die Wurst ein, die er in der Tasche hatte; er warf sie dem Hund vor, aber der rührte sie nicht an, sondern biss ihn in die Hand. Sobald es eins schlug, war vom Hund nichts mehr zu sehen. Am dritten Abend wollte es der Zufall, dass der Schirmflicker um die gleiche Zeit durch die Allmend heimzu ging. Dieses Mal trug er aber etwas Besegnetes mit sich. Da sah er auf einem Dach eine weisse Gestalt hin- und herlaufen. Wie der Blitz sprang diese herunter und packte ihn am Hals, liess ihn aber sogleich wieder fahren. Der Schirmflicker rannte heimzu. Von da an hatte er Ruhe vor Gespenstern.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch