Der Schatzgräber im Hardwald
Ein Mann mit einem Stelzfuss, Stülzenniggi genannt, begab sich einst in den Hardwald, um nach einem Schatz zu graben. Er wusste, dass man bei dieser Verrichtung kein Sterbenswort verlauten lassen dürfe. Schon war er nach ausgiebigem Graben auf eine eiserne Kiste gestossen, da kam einer auf einem grossen Hahn geritten und fragte ihn, was er da mache. Er gab ihm keine Antwort.
Darauf verschwand der Hahn mit dem Reiter. Nach einiger Zeit erschien ein Unbekannter, der auf einer grossen Schnecke ritt. Auch ihm gab der Schatzgräber keinen Bescheid auf seine Frage. Da rief der Schneckenreiter aus:«Nun denn, wenn du nichts sagst, so reit ich weiter, ich werde den andern auf seinem Hahn bald eingeholt haben.» Da musste der Schatzgräber lachen. «Du dummer Teufel», rief er aus, «der du dir einbildest, mit deinem Schneckentier den Gockelreiter einholen zu können!» Kaum waren ihm die Worte entfahren, war auch schon die beinahe gehobene Kiste mit Gepolter in der Tiefe verschwunden.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch