Der verhexte Käse
Der Senn auf dem Horn war weitherum dafür bekannt, dass er den besten Käs mache. Doch eines Tages wollte ihm das Käsmachen nicht mehr gelingen. Wenn er das Kälberlab zur Milch gab, begann die Molke zu stinken und wurde brandschwarz.
Da ging er zu einem Senn auf die Langenbrucker Wanne, der sich in solchen Dingen auskannte. Der riet ihm, er solle die Molke ins Feuer leeren und sich um nichts scheren, was immer da komme.
Der Hornsenn befolgte den Rat. Als die Molke wieder zu stinken begann, schüttete er sie langsam in die Glut. Nach einer Weile polterte es an die Hüttentür und draussen ging ein Gekreisch und ein Zetermordio an. Eine weibliche Stimme rief, sie verbrenne und er solle aufhören, Molke in die Glut zu schütten. Doch der Hornsenn liess sich Zeit. Als das Schreien und Jammern immer stärker wurde, erbarmte sich der Senn und goss keine Molke mehr ins Feuer.
Da hörte das Geschrei vor der Hütte auf. Von da an gelang auch dem Hornsenn das Käsen wieder wie früher.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch