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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Dürst

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Mitten im Dorfe, an der breiten Durchgangsstrasse, steht ein altes Bauerngut (heute bewohnt es die Familie Schneider). Dort sei es früher nicht geheuer gewesen, heisst es. Der Dürst, der Dorfgeist, habe dort sein Unwesen getrieben.

In gewissen Nächten habe man im Hausgang Kettengerassel und schleppende Schritte gehört, und zwischen zwei und vier Uhr morgens sei am Bach drunten gemäht worden. Die Gangtüren habe man nie schliessen können, sie seien von selbst wieder aufgegangen. Wehe dem, der versuchte, dem Dürst den Weg zu versperren!

Auf der andern Strassenseite, etwas weiter gegen Olten, bei Göttis, wie man sagt, habe sich der Dürst auch bemerkbar gemacht. Zum Haus gehörte damals ein grosser Pferdestall, wo die Pferde, die vor die grossen Fuhrwerke gespannt wurden, Unterkunft fanden.

Wenn fremde Pferde an diesem Haus vorbeigingen, hätten sie gescheut. In der Nacht seien den andern die Schwänze zusammengebunden worden. Schweinezucht habe man dort nie betreiben können, es seien alle Tiere zu Grunde gegangen.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch