Das weisse Männlein
In Nünningen lebten zwei arme Männer. Ihre Hosen bestanden fast nur aus Löchern. Zuletzt beschlossen sie, betteln zu gehen, aber der eine schlug vor, sie sollten es zuvor noch mit dem weissen Männlein probieren. Wie sie in den Wald kamen, begannen sie, den Satan anzurufen. Da wurde der Himmel schwarz, es fing an zu donnern und zu wettern, der ganze Homberg zitterte, als ob die Welt untergehen müsste. «Weisses Männlein, bring uns Gold!» riefen die beiden in den Lärm hinein, und urplötzlich stand es vor ihnen. Wie sie jedoch die Hörner unter seiner Kappe hervorgucken sahen, bekamen sie Angst und rannten Nünningen zu. Als sie daheim ankamen, waren sie nicht mehr richtig im Kopf. Sie redeten durcheinander und kamen nie mehr zur Vernunft. Die Gemeinde musste sie eingesperrt halten.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch