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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Schlacht auf Sörenberg

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

‏Unterwaldner kamen zu Thorenbergs Zeit in den Sörenberg im Entlebuch, um Kühe zu rauben. Den Senn warfen sie häuptlings ins Kessi voll siedender Schotte. Der Untersenn hingegen entzog sich dem Feinde und blies ins Alphorn:

‏Hohpen, o Blessi:

Der Senn lid im Kessi,

Hinterheinis Trichelchue

Gaht uf Unterwalden zue!

‏Solches hört zu Emmenegg das Meitli, das Kraut am Brunnen wäscht, geht und teilt dem Vater mit, was der Untersenn geblasen. Gleich läuft er mit noch einem Andern gegen Schwarzenegg hinauf, wo er den Sennen im Kessi trifft. Dann forschen sie nach den entführten Kühen, die sie auf der Länderegg finden. Den Feind, der sorglos, in der Sennhütte sich der Freude hingibt, zu täuschen, nimmt einer der Trichelkuh die Trichel ab und trichelt immerzu, während die andern mit dem Vieh wieder heimwärts ziehen. — Das hat nun zu einer Schlacht Veranlassung gegeben, die in Sörenberg vorfiel und worin der feindliche Fähnrich die Entlebucher, auf sein rotweisses Banner anspielend, spöttisch fragte, ob sie das Weisse wollten oder das Rote. Da erschoss ihn ein Knabe mit einem Pfeil und erbeutete die Fahne, die hernach zu Schüpfheim aufbewahrt wurde.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch