Das überlistete wilde Mannli
Einem Klosterser war sein neugebornes Kindlein verschwunden und statt dessen ein hässlicher Wechselbalg in die Wiege gelegt worden. In seiner Trostlosigkeit wandte er sich überall hin um Rat, und da hiess es, er solle zu einer gewissen Zeit den Wechsel-balg auf den Herd legen und rings um diesen herum halbe Eierschalen aufstellen.
Er befolgte diesen Rat, und plötzlich fing der Wechselbalg an zu reden und rief:
»Jetz bin i sövel und sövel alt
und han die Bôschga fünfmal gsäh'n als Wies und Wald
aber noch nie sövel Guckhäfeli uf einem Herd.«
Zugleich sprang die Haustüre auf, und ein Fängge stürzte mit dem rechten Kinde herein, legte es auf den Herd, um ebenso schnell mit dem Wechselbalge davon zu eilen.
Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874, Chur 1876, Chur 1878 (Nachdruck Zürich: Olms, 1986), S. 29.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.