Die Teufel schreiben in der Kirche die Sünden auf
Vor mehr als 100 Jahren lebte in Lungern ein sehr frommer Jüngling. Beim Gottesdienste ging er gewöhnlich auf die Emporkirche hinauf, um dorten ruhiger seiner Andacht pflegen zu können. Einst, an einem Sonntag nach vollendetem Gottesdienst sah einer seiner Kameraden, wie unser Jüngling heimlich lächelnd die Treppe hinunterstieg. Er verwunderte sich hierüber sehr und befragte ihn neugierig nach dem Grunde. Der Jüngling gab zur Antwort: „Ich sah während dem Gottesdienste im Gange vor dem Kreuzaltare vier Teufel stehen; sie schrieben alles, was die Leute heute in der Kirche böses, unnützes und sündhaftes dachten und redeten auf eine Kuhhaut. Allein sie hatten so vieles aufzuschreiben, dass die Kuhhaut viel zu klein war; einer der Teufel wollte die Haut noch mehr ausstrecken, fiel aber dabei rücklings zu Boden; deshalb musste ich lächeln."
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch