Der Bärenwirt von Bern
Einige Vorgesetzte aus dem Dorfe Heimiswil wollten nach Bern auf den Markt. Um früh dort zu sein, machten sie sich um Mitternacht auf den Weg. Als sie bei der Gisnaufluh vorbeigingen, hörten sie plötzlich ein klägliches Rufen: Tut auf! tut auf! Der Bärenwirt von Bern ist da! Nicht lange ging es, so dehnte sich der Fels unter fürchterlichem Tosen wie ein Tor, und ein heller Schein leuchtete aus dem Felsen. Da gerieten die Männer in Furcht, gingen aber weiter und sahen, wie sich der Fels wieder schloss und der Schein verschwand. Als sie es im nahen Burgdorf erzählten, hatte man dort dasselbe gesehen, da das Städtchen höher liegt, und in der Felsenöffnung ein Flammenmeer wahrgenommen. Als sie nach Bern kamen, traten sie ins Bärenwirtshaus und fanden die Hausleute in tiefster Trauer, weil der Wirt um Mitternacht verschieden war. Im Volke herrschte die Meinung, in diesem Felsen sei entweder die Hölle oder der Versammlungsort der «Ringmaurer».
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch