Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Pflaumenkuchen des Holzmütterli

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Hinter dem Schlosse in Laupen liegt im Gehölze eine Matte, das Ried. Einst, erzählt man, als im «Heuet» einige Mähder wacker daran waren, das dichte Gras abzumähen, sagte einer von ihnen: «Mir ist gerade, als röche ich einen Pflaumenkuchen. Hätt' ich nur!» Und wie sie bis ans Ende der Matte durchgemäht und wieder zurückkehrten, um neu von vorne anzufangen, sei unter einer Haselstaude wirklich ein tüchtiger Pflaumenkuchen gelegen und dazu noch ein hübsches Messerlein, ihn zu zerschneiden. Froh machten sich die Mäder an den Fund und verzehrten den Kuchen. Das Messerlein liessen sie liegen, und machten sich wieder an ihre Arbeit, die nun viel leichter ging.

‏Das habe sich nun manchmal wiederholt, bis einst einer aus ihnen mutwillig das Messerlein zu sich steckte. Von der Zeit an sei nie wieder eine Gabe zu Vorschein gekommen. Das Volk schrieb diese einem gegen die Leute sehr guttätigen «Holzmütterli» zu, welches die Unart und Undankbarkeit des Arbeiters auf diese Weise gestraft habe.

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch