Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Sträggeli und der Dürst

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Es war einmal ein Burgfräulein, das für sein Leben gern Wildbret ass. Als sie nun einmal an einem Freitag in der Fastenzeit die Lust ankam, Wildbret zu essen, forderte sie von ihren Knechten, sie sollten sie zur Jagd begleiten. Darüber waren die Knechte bestürzt und verweigerten den Dienst. Nur ein einziger, der ihr Buhle war, erklärte sich bereit, sie auf die Jagd zu begleiten. So verliess das Fräulein und ihr Buhle zu Pferd und von einer Hundemeute begleitet die Burg.

‏Weder die frevelhaften Jäger, noch Rosse und Hunde sah man jemals wieder. Sie sind in alle Ewigkeit dazu verdammt, an Freitagen in heiliger Zeit um Mitternacht in den Wäldern herumzujagen. Wenn in den Napfbergen das Wetter recht tobt und man in den Lüften Rosse- schnauben und Hundegebell zu hören glaubt, dann sagen die Bauern: «Das Sträggeli und der Dürst kommen!»

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch