Säumen bis zum jüngsten Tag
Ein piemontischer Säumer brachte einen Zug Saumrosse von der Grimsel durch das Haslital herab, jedes mit zwei Lägeln wälschen roten Weines, er selbst tüchtig bezecht. Auf dem engen Felssteig bei Guttannen, am Zuben, wo das Ausweichen gefährlich wird, begegnete ihm das Zwergmännlein «Selbthan», und der rohe Mann, dem es zu mühevoll war, zum Leitross vorne hinzugehen und es seitwärts zu halten, schwang von hinten die lange Peitsche und hieb dem Zwerge Schwielen. Der Kleine bückte sich in die Bergwand und schrie so jämmerlich, dass alle Zwerge aus dem Tale zusammen liefen. Dann riefen sie in die Rotenfluh hinauf: « Lauf, lauf, Rabärben! Der Vater will sterben!» Von Stunde an verliessen sie das Tal und zogen drei Tage und drei Nächte über den Grimselpass, wobei man sie laut schluchzen hörte. Dem Wälschen aber stürzten die Rosse an der «Hellen-Platte» hinunter und er ihnen nach, und nun muss er mit einer unsichtbaren Säumerei, Rosse und Maultiere, unter Rufen, Pfeifen und «Chlepfen» nächtlich säumen bis zum jüngsten Tage.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch