Wie die Vögel ihren König wählten
Vor langer Zeit versammelten sich alle Vögel, um einen König zu wählen. Aber wer von ihnen sollte König werden? Alle zwitscherten alle aufgeregt durcheinander, bis einer rief: „Der wird König, der am höchsten fliegt!“
Die anderen Vögel waren einverstanden und flogen alle gemeinsam in den Himmel.
Unter den Vögeln war auch einer, der war ganz klein. Er hatte nur kurze Flügel und unscheinbare braune Federn, aber auch er wollte gerne König werden. Schnell flog er hinter den anderen Vögeln her. Er flatterte mit seinen Flügelchen, bis er den Adler erreichte und machte es sich auf dessen Flügeln bequem. Der Adler merkte nichts davon. Er flog höher und höher.
„Seht nur, wie hoch der Adler fliegt!“, riefen die anderen Vögel.
Aber in diesem Augenblick erhob sich der kleine Vogel, so dass alle ihn sehen konnten. „Ich fliege am höchsten!“, rief er.
Die Vögel staunten und versammelten sich schliesslich wieder am Boden.
„Wie kann einer, der so klein ist, so hoch fliegen?“, fragten die Vögel.
Da zwitscherte ein Spatz:
Tsimtsimtra, Tsimtsimzwitsch,
ich habe ihn entdeckt
auf des Adlers Flügeln
hat er sich versteckt.
Tsimtsimtra, wir haben ihn erwischt.
„Er ist ein Betrüger“, riefen die anderen und wollten den kleinen Vogel fangen. Dieser floh schnell in einen hohlen Baumstamm.
„Haltet Wache“, rief der Adler, der nun der König der Vögel war.
Ein Vogel nach dem anderen hielt Wache vor dem hohlen Baumstamm. Erst die Schwalbe, dann die Lerche, die Drossel und am Abend die Eule.
Die Eule setzte sich auf einen Ast und wurde bald müde. Sie blinzelte erst mit einem Auge, dann mit dem zweiten und schloss beide Augen.
Darauf hatte der kleine Vogel gewartet. Schnell flog er aus dem hohlen Baum heraus und versteckte sich in einem dornigen Busch in der Hecke.
Am nächsten Morgen sahen die Vögel, dass der kleine Vogel fort war.
„Wer hat ihn entkommen lassen?“, fragten sie.
„Die Eule war es“, rief einer und alle fingen an, mit der armen Eule zu schimpfen. Seitdem traut sich die Eule nicht mehr nachts die Augen zu schliessen, und schläft nur noch am Tag.
Der kleine Vogel aber hüpft bis heute zwischen den dornigen Zweigen umher und ruft: „Kiwitt, Kiwitt, der Zaunkönig bin ich!“.
Fassung Djamila Jaenike, nach: R. Luzík, Tiermärchen, Prag 1981©Mutabor Märchenstiftung
How the birds chose their king
A long time ago, all the birds gathered to elect a king.
But which of them would be king? They all chirped excitedly until one shouted: “The one who flies the highest will be king!”
The other birds agreed and all flew up into the sky together.
Among the birds was one that was very small. He only had short wings and inconspicuous brown feathers, but he too wanted to be king. He quickly flew after the other birds. He fluttered his wings until he reached the eagle and made himself comfortable on its wings. The eagle didn't notice a thing. It flew higher and higher.
“Look how high the eagle is flying!” cried the other birds.
But at that moment, the little bird rose up so that everyone could see it. “I fly the highest!” he shouted.
The birds were amazed and finally gathered on the ground again.
“How can someone so small fly so high?” the birds asked.
Then a sparrow chirped:
Tsimtsimtra, Tsimtsimzwitsch,
I have discovered him
on the eagle's wings
he was hiding.
Tsimtsimtra, we've caught him.
“He's a cheat,” the others shouted and tried to catch the little bird. It quickly fled into a hollow tree trunk.
“Keep watch,” called the eagle, who was now king of the birds.
One bird after another stood guard in front of the hollow tree trunk. First the swallow, then the lark, the thrush and in the evening the owl.
The owl sat down on a branch and soon became tired. It blinked first with one eye, then with the other and closed both eyes.
The little bird had been waiting for this. It quickly flew out of the hollow tree and hid in a thorny bush in the hedge.
The next morning, the birds saw that the little bird had gone.
“Who let him escape?” they asked.
“It was the owl,” cried one and they all started scolding the poor owl. Since then, the owl no longer dares to close its eyes at night and only sleeps during the day.
But the little bird still hops around among the thorny branches and calls: “Kiwitt, Kiwitt, I'm the wren!”.
Fassung Djamila Jaenike, nach: R. Luzík, Tiermärchen, Prag 1981. Übersetzung ins Englische: Lysander Jaenike ©Mutabor Märchenstiftung
Die Republik Moldau ist ein Binnenstaat in Südosteuropa, der im Norden, Osten und Süden von der Ukraine umschlossen ist. Er erklärte sich 1991 im Zuge der Auflösung der Sowjetrepublik als unabhängig und gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Der eingefrorene Transnistrien-Konflikt an der Ostgrenze des Landes seit 1992 und der Ukraine-Krieg führen zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vieler Menschen, insbesondere von Randgruppen wie der Roma. Ein Drittel der Bevölkerung ist aus der Heimat geflohen und sucht, oft vergebens, in anderen Ländern Asyl.