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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der goldene Trämel im Napf

Land: Schweiz
Kanton:
Region: Emmental, Napf
Kategorie: Sage


Vorgelesen von Luciana Brusa


Erzählt von Claudia Büttler

Vor langer Zeit herrschte im Emmental ein böser Vogt, der seine Schatzkammer mit Gold füllte, während die Menschen in den Dörfern hungern mussten. Da beschlossen die Leute im Tal, sich gegen den Vogt zu wehren und machten sich, bewaffnet mit Knüppeln, auf den Weg zu ihm. Doch der Vogt wurde gewarnt und floh mit seinen Gold Richtung Napf, wo er seine Schätze in einer Höhle versteckte. Seine Verfolger holten ihn ein und so fand der böse Vogt ein schlimmes Ende.

Doch wo war das Gold geblieben? 

Die Zwerge, die im Napf wohnten, nahmen den Schatz mit und formten daraus einen goldenen Trämel. Seitdem hüten sie ihn gut. Nur manchmal kann man bei Vollmond ein Leuchten sehen. Dann tragen die Zwerge den Trämel hinaus in den Mondschein. 

Wenn aber ein Mensch den goldenen Trämel findet und ihn mitnehmen will, darf dabei kein Wort sprechen, sonst saust der Trämel mit lautem Donnern wieder in den Berg hinein.

Fassung Djamila Jaenike, nach: H. Wahlen, Emmentaler Sagen, Bern 1962 © Mutabor 

Interessant zu wissen

Höhlen waren schon immer Orte, an denen Gold vermutet wurde, und so mancher Vogt hat wohl sein Gold in ein sicheres Versteck am Berg gebracht. In den Überlieferungen wird Gold, das sich jemand unrechtmässig angeeignet hat, verwünscht und trägt die Last der Ausbeutung. Dieser Aspekt kommt im Bild des schweren Trämels gut zum Ausdruck.