Die Erdmännlein auf Zeindlimatt
Die Erdmännlein auf dem Zeindlimatthof am Frickberg hatten ganz braune Gesichter, rauh und rissig wie Föhrenborke, und grosse haarige Ohren, die ihnen unter der Kappe hervorlampten, und ihre grauen Mäntel hingen ihnen über die Füsse und waren so lang, dass sie auf dem Boden schleiften. Aber Wams und Gewand waren so schlissig, dass Sonne, Mond und Sterne hindurchschienen; und sah man ihnen einmal durch die Löcher auf den Leib, so war’s, als sähe man ein schwanzloses Schratthuhn. Da meinten die Knechte, sie müssten wohl auch Hühnerfüsse haben, und bestreuten darum den Küchenboden mit Asche, als die Männlein wieder einmal zum Abendsitz in die Stube gekommen waren. Als es zehn Uhr schlug, die Zeit, wo die Zwerge Feierabend machten und Gutnacht sagten, nahm der eine Bursche das Licht, um ihnen zu zünden, der andere tat höflich die Küchentür auf - denn dazumal konnte man nur durch die Küche in die Wohnstube kommen-, und sie meinten schon, die List sei gelungen. Aber wie das erste über die Schwelle trat, rief es laut: «Hünggi uf ! Hünggi uf!» Und wie eine Kette Wildhühner schwirrten und sirrten sie miteinander - brr - zur Küche hinaus - und seither hat man am Frickberg nie mehr ein Erdmännlein gesehen.
Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch