Die zwei Schatz-Hüter
Nahe beim Schlosse Ortenstein auf der Spitze eines Hügels, im stillen Haine über einem fürchterlichen Abgrunde steht die Kirche des hl. Laurenz und unterhalb derselben eine, dem Heiligen Viktor geweihte, von Sagen umwehte Kapelle. Nach dem Volksglauben hat Eusebius Scotus dreißig Jahre als Einsiedler dort verlebt und ist nach seinem Tode dort oft noch gesehen worden. - Auch ein Schatz ist dort vergraben, gehütet von einem silberhaarigen Greise, der einen langen weißen Stab in der Hand hält, und von einem schönen Mädchen in schimmerndem Kleide und das beständig singt. Dieser Schatz kann aber so leicht nicht gehoben werden; denn so oft auch das Mädchen demjenigen Menschenkinde, das ihn heben und auch die beiden Schatzhüter erlösen will, winkt und bittet, ist es jedesmal der Greis, der vor der Berührung des Schatzes warnt und wenn nötig, das in seine Rechte sich wagende Menschenkind tatkräftig vom Schatze ferne hält.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.