Die Fänggin Ruchrinden
In Luzein steht heute noch ein Stall, dessen gewaltige, hölzerne Balken der »Urähni« des jetzigen Besitzers mit Hülfe seiner Magd, eines Waldfänggenmädchens, an Ort und Stelle geschleppt und zusammengefügt hat. - Diese Fänggin sei in der Familie ihres Brotherren sehr beliebt gewesen und der Verdruss um sie gross, als sie plötzlich schied. Ihr Dienstgeber berichtete einst beim Nachtessen, als er aus dem Berge zurückgekehrt war und ein Joch auf der Achsel trug, eine Stimme habe ihm zugerufen: »Jochträger, sag' der >Ruchrinden<, Gicki Gäcki uf Hurgerhorn sei tot!« - Bei diesen Worten habe die Fänggin weinend den Löffel weggeworfen und gejammert, ihr Vater sei gestorben; von da an sei sie für immer verschwunden.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.