Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Übelbelohnte Dienstfertigkeit

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

In Guarda lebte ein Mann mit seiner Frau in Unfrieden. Als der einmal auf einer Bergwiese sein Heu aufladen sollte, um es nach Hause zu führen, hatte er Niemand, der ihm dabei Hülfe leistete, denn seine zänkische Frau wollte ihm nicht helfen. Da erschien eine Diale und half ihm sein Fuder zu laden. Er hielt sie für ein gewöhnliches Weib. Als sie aber auf dem Fuder stand, bemerkte er ihre Ziegenfüsse und dachte bei sich selbsten nun sei er übel dran, der Teufel stehe auf seinem Fuder. Die Diale fragte ihn nach seinem Namen; er dachte aber, dem Teufel wolle er seinen Name nicht sagen und antwortete: »Ich selbst.« (Eug suess.) Und als das Fuder geladen war, stach er der Diale die eiserne Heugabel durch den Leib, in der wirklichen Meinung, nun habe er den Teufel umgebracht und fuhr dann rasch davon. Die Diale liess einen durchdringenden Schmerzensschrei hören, und bald sammelte sich eine grosse Anzahl Dialen um sie herum und fragten: »Wer hat das getan?« Sie gab sterbend zur Antwort: »Ich selbst.« Da sagten die Andern: »Was man selbst tut, geniesst man selbst.« (Chi suess fà, suess giauda.) Seit dieser Zeit aber wurden in Wald und Feld keine Dialen mehr gesehen.

 

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.