Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Fräulein von Ruchenberg und das goldene Kegelspiel

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Die fromme und mildtätige Gemahlin Cuno\'s, des Ritters von Ruchenberg, hatte der im Innern des Gebirges thronenden Elfenkönigin bei ihrer Entbindung beigestanden und zum Lohne dafür ein goldenes Kegelspiel erhalten, mit dem sie die guten Berggeister zu ihren Diensten heraufbeschwören konnte. -

Als aber ein Urenkel der frommen Frau, ein wilder wüster Geselle, das Elfengeschenk dazu missbrauchte, um im Übermute immer neue Schätze zu erpressen, erschienen zuletzt auf seinen Frevelruf statt der Kegel neun entsetzliche Riesen, und unter fürchterlichem Getöse stürzte die Burg zusammen. - Der Ritter und seine Gesellen verschwanden mit grässlichem Geheule; nur des Frevlers fromme Tochter wurde von den Elfen gerettet, bei denen sie seither im Schosse der Berge in stiller Wehmut ihr Leben vertrauert.

In jedem Jahrhundert kehrt sie ein Mal nach der Oberwelt zurück, erscheint im Brautschmucke und in weissem Gewande, schwermütig durch die dunkeln Tannen dahinschwebend, und späht von den verwitterten Trümmern der väterlichen Burg nach dem glücklichen Jünglinge, der sie erlöse, und mit ihrer Hand das goldene Kegelspiel der Elfen wieder gewinne. -

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.