Kampf mit Wild-Lütli
Als die Schuderser ihre erste Glocke mit ungeheurer Mühe den steilen Weg von Schiers nach ihrem Berg-Dörflein hinaufschleppten, kamen, wie sie eben den Schrau-Bach überschreiten wollten mit ihrer teuren Last, eine Anzahl Wild-Lütli ihnen entgegen, die ihnen verwehren wollten, mit der Glocke weiter zu ziehen, - denn wie alle Wild-Lütli, hassten auch sie jedes Glocken- oder Schellen-Geläute und harmonisches Getöne.
Die Wilden setzten sich gar ernstlich und entschieden in Widerstand und es kam zu einer blutigen Schlägerei, in welcher aber doch die Schuderser Meister gingen (Oberhand behielten) weil Ihrer viel Mehr waren.
Den Kürzeren ziehend, kehrten die Wild-Lütli nicht mehr nach Schuders zurück, sondern flüchteten heulend den Bergen zu, einwärts, und schlugen in den bekannten Felshöhlen an der Sulzfluh, und im entlegenen St. Antönien-Tale ihre einfachen Behausungen auf.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.