Spuck im Schlosse Räzüns
Zur Zeit, als die neue Strasse nach Tusis gebaut wurde, befanden sich viele Italiener-Arbeiter im Schlosse Räzüns in Aufenthalt, und schliefen im Erdgeschosse.
In einer Nacht hörten sie ein schreckliches Gepolter, und vernahmen, wie Etwas mit furchtbarem Gerassel vom Keller heraufkam. Vor dem Schlafgemache der Italiener hielt es stille, fing aber dort an zu klopfen, worauf die sonst fest verrammelte Türe von selber aufflog. Jetzt erblickten die Arbeiter drei glühendweisse Pudel, deren Jeder ein scharlachrotes Halsband mit einem goldenen Schlüsse am Halse trug. Vor Schrecken und Angst flüchteten Alle durch die Fenster, ins Freie, und Keiner wollte der Letzte sein. - Sie waren nicht mehr zu bewegen, im Schlosse zu schlafen.
Hätte nur Einer den Mut gehabt, zu bleiben, wären alle Schätze sein geworden, welche die drei Pudel unterirdisch, im Schlosse, bewachen müssen.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.