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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Totenbrünneli

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Region: Zürichsee
Kategorie: Sage

Das Totenbrünneli

Als im Monat September des Jahres 1564 ein Landsterben umging, fing es auch auch in der Kilchhöri Kilchberg an, und es starben bis Ende des Jahres 1565 an die vierhundert Personen, junge und alte, Weib und Mann. Diejenigen Leute, die niesen mussten, erlagen nach wenigen Augenblicken dem grimmigen Schnitter Tod, und es war deshalb nicht verwunderlich, dass man noch lange nachher allen, die niesen mussten, ein „Helf dir Gott“ wünschte,

Zur Zeit des grossen Sterbens bewegte sich ein Leichenzug, von Wollishofen herkommend, Kilchberg zu. Als er sich durch ein einsames Wiesentälchen (am unteren Ende des Bächler-Tälchens an der Kalchbühlstrasse) zog und von Kilchberg her schon das Grabgeläute zu hören war, musste ein im Zug schreitendes Mägdlein an der Stelle, wo einige Schritte seitab der Strasse in grüner Wiese ein Brünnlein quoll, niesen und sank nach wenigen Augenblicken tot hin. Man nahm die junge Tote, die sich wunderbarerweise ins eigene Grab hatte läuten hören, sogleich mit und begrub sie neben der anderen Leiche. Das Brünnlein wurde von dieser Zeit an das Totenbrünneli geheißen.

Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee
Wörtlich aus P. Corrodi, JZ 1951/52, S. 321

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.