Irrkräuter
Irrkräuter
„Gfriirchrut“, wie man’s im Oberland nennt, ist ein Kräutlein, das einem die Orientierung vollständig verwirrt, wenn man darauf tritt. Ja, allein schon seine Nähe bewirkt diesen Zustand. Da ist es doch einmal passiert, dass er sich deswegen nicht mehr aus dem Feisseholz beim Landsacher herausfinden konnte, obschon es nur ein kleines Gehölz ist.
„Gretler-Ruedi“ im Hanfgarten erzählte: „Ich stieg von Itzikon gegen das Birch hinauf, wo ich Holz hacken wollte. Auf einmal sah ich einen Hasen fortrennen. Von diesem Augenblick an verlor ich mein Gedächtnis und jede Orientierung vollständig. Während mehr als einer halben Stunde mag ich in dem sonst vertrauten Birchholz umhergeirrt sein und fand einfach keinen Ausweg mehr. Schliesslich setzte ich mich auf einen Reisighaufen. Da kam ich plötzlich wieder zu mir; ich sass unweit der Stelle, wo ich hatte Reisigwellen binden wollen.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland
Aus Jakob Zollingers „Herschmettlerchronik“.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.