Das kleinere Übel
Vor Zeiten, wenn einer sollte gehängt oder durch das Schwert hingerichtet werden und es kam eine Jungfrau und anerbot sich, ihn zu heiraten, so schenkte man ihm das Leben, sofern er in die Heirat einwilligte.
So geschah es einst, als man Einen auf dem Schaffot hatte, dass ein, wie man urteilte, ziemlich hübsches Meitli im letzten Moment hervortrat und sich anerbot, den Verurteilten zur Ehe zu nehmen. Dieser aber betrachte es einen Augenblick und sagte dann:
»Rots Haar, spitzi Nasä,
Hänker schlach züe,
Besser einisch g'littä,
As hundertmal g'strittä.«
Karl Gisler, Schächental
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.